Eindrücke des 2. Labs

 

 

An einem sonnigen Sommernachmittag des 04. August 2012 fand sich unser Kollektiv zum geschlossenen Workshop mit Raimund Tabor zusammen, welcher uns im ersten Teil des Workshops die Schwerpunkte des 3. und 4. Gesang aus Homers Odyssee vortrug und erläuterte:

Die beiden Gesänge erzählen von einer damaligen griechischen Krise, der Untergang und Zerfall zu folgen drohte. Die griechische Großkultur befand sich in einer Phase der kulturellen Dekadenz. Die hellenistische Selbstwahrnehmung entwickelte sich von einer Basis des interkulturellen Austausches (durch Handel und Reisen) hin zu einer Kultur der Bewahrung und der nationalen Identität. Damit einher veränderte sich auch das Verständnis und die Ausübung des Gastrecht. Die Odyssee – in ihrer Erzählstruktur heruntergebrochen auf persönliche Begegnungen der obersten Schicht der griechischen Häuser– beschreibt in diesen Gesängen zwei Wege, das Gastrecht auszuüben, und weist dabei auf einen Umgang mit dem Gastrecht hin, um dieses in die neue Zeit hinüberzuretten und gar verbessern zu können.

Im anschließendem zweiten Teil des Workshops prägten Fragen wie „Was ist Kultur und wer darf weitermachen bzw., was darf zurückgelassen werden?“ die anschließende Diskussion unserer geschlossenen Veranstaltung. Viele Parallelen zur heutigen Zeit wurden aufgemacht. Das Fazit des Workshops lautete: Wir müssen uns befähigen mehr zu können! Grenzen überschreiten und uns nicht von ihnen beschränken lassen.

Nach einer kleinen Pause, in der wir gemeinsam zu Mittag aßen, begann um 18:00 Uhr der öffentlichen Teil. Es kamen viele Interessenten, denen wir unseren Verein und das zukünftige Programm vorstellen konnten. Danach präsentierten unsere Gäste, Referentinnen Martina Reimann von „Wasser und Brot für Afrika“ und Tracy Farrell von „VIA e.V.“, in einem Impulsreferat ihre entwicklungspolitischen Arbeiten. „Wasser und Brot für Afrika“ engagiert sich in diversen Afrikanischen Ländern für strukturbildende Projekte in den verschiedensten Bereichen von Grundversorgung bis hin zur Bildung. Die Ideen dafür werden von den Einheimischen vor Ort entwickelt oder sind bereits existent. Die Institution fördert diesen Graswurzelansatz. So schaffen sie erfolgreich Mikrostrukturen, die unabhängig wirtschaften können. „VIA e.V.“ vermittelt und begleitet Freiwillige, die sich im Sozialen Bereich engagieren wollen und gibt ihnen die Möglichkeit, dies in einem globalen Netz von Trägern zu tun.

Im Anschluss präsentierten wir den Film ADOPTED. In dieser Mocumentary adoptieren ghanaische Familien bindungslose Europäer. Spannend an diesem Plot ist, das Umkehren von Denkmustern der Europäer. Anders als uns bestehende Herrschaftsverhältnisse vermuten lassen, ist hier Ghana der „Entwicklungshelfer“. Der Film zeigt in eindrucksvollen Bildern, welche Perspektiven, aber auch Missverständnisse in interkulturellen Begegnungen vorkommen können. „In einer westlichen Welt, in der Werte wie Geborgenheit, Zugehörigkeit und Zusammenhalt verloren gegangen sind, bringt ADOPTED Menschen auf persönlicher und emotionaler Ebene jenen näher, die diese Werte pflegen.“ (Adopted)

Den Film nutzten wir auch als Einleitung für unser Symposium „(Un)vermeidbare Missverständnisse“. Auf dem Podium saßen die Referentinnen des Impulsreferates sowie Hans Gerber, der für Ärzte ohne Grenzen in Krisengebieten tätig war und Daniel Koßmann, der als Freiwilliger von „VIA e.V.“ nach Nairobi vermittelt wurde und dort in einem Kinderheim gearbeitet hat. In der Diskusssion ging es unter anderem darum, warum das Individuum das Abenteuer der Fremde sucht. Und wie mit den verschiedenen Rollen, die der Ankommende mitbringt und die auf ihn projeziert werden umgegangen werden kann. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum konnten wir als Kollektiv die Brücke zu unserem Workshop schlagen: Grenzen überschreiten und Chancen nutzen um sich auf neue Weise zu begegnen.

Abschließend führten wir in offener Runde die spannenden Gespräche mit unseren Gästen weiter, die einen geselligen Ausklang auf dem Hof brachten.

Wir freuen uns schon auf unser _LAB #3 am Samstag, den 01.September in der Alten Kantine, Wedding.